Studie: Früherkennung trägt zu sinkenden Brustkrebssterberaten in Europa bei
Früherkennungsuntersuchungen tragen zu sinkenden Brustkrebssterberaten in Europa bei. Nach Einführung des Mammografiescreenings wurden deutlich mehr frühe, besser behandelbare und weniger fortgeschrittene Tumoren entdeckt, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) am Montag in Heidelberg mitteilte.
Unter Federführung des DKFZ wertete ein internationales Forschungsteam Krebsregisterdaten von mehr als 3,4 Millionen Frauen mit Brustkrebs aus 21 europäischen Ländern im Zeitraum von 1978 bis 2019 aus. Untersucht wurden Erkrankungs- und Sterberaten sowie das Tumorstadium bei Diagnosestellung – jeweils im Zusammenhang mit der Einführung organisierter Mammografiescreeningprogramme.
Seit den späten 70er Jahren stieg die Häufigkeit von Brustkrebs in vielen europäischen Ländern zunächst. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass mit der Einführung des Screenings deutlich mehr Brustkrebserkrankungen in einem frühen, besser behandelbaren Stadium entdeckt werden", erklärte Studienleiter Hermann Brenner. "Gleichzeitig sehen wir in vielen Ländern weniger Diagnosen im metastasierten Stadium – also dann, wenn der Krebs bereits Tochtergeschwülste gebildet hat."
Diese Entwicklung war demnach besonders ausgeprägt bei Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren, die in den meisten europäischen Ländern gezielt zum Screening eingeladen werden. Die Daten deuten demnach zugleich darauf hin, dass Mammografiescreenings zu Überdiagnosen führten. Überdiagnose bedeutet, dass ein entdeckter Brustkrebs zu Lebzeiten der Frau wahrscheinlich nie auffällig geworden wäre und auch keine Beschwerden hervorgerufen hätte.
Während die Erkrankungsraten über Jahrzehnte hinweg anstiegen, sanken die Brustkrebssterberaten in den meisten Ländern vor allem seit Ende der 90er Jahre deutlich. In Ländern ohne organisiertes Screeningprogramm – wie Bulgarien oder die Ukraine – war der Rückgang schwächer ausgeprägt.
Die Forschenden betonten, dass neben dem Screening auch Therapiefortschritte erheblich zu den sinkenden Sterberaten beitrugen. Moderne Medikamente, verbesserte Operationsverfahren und eine optimierte Nachsorge hätten die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen in den vergangenen zwei Jahrzehnten spürbar verbessert.
L.Wagner--VZ