Merz dankt Einsatzkräften nach Brand in Hürtgenwald - Kanzler-Auftritt von Pfiffen begeleitet
Rund eine Woche nach dem schweren Waldbrand bei Hürtgenwald hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag mit einem Besuch bei den Einsatzkräften in der nordrhein-westfälischen Gemeinde aus dem Sommerurlaub zurückgemeldet. Die kurze Dankesrede des Kanzlers vor den Helfern wurde von einem Pfeifkonzert überschattet. Dass Merz seit Beginn seines Urlaubs in der ersten August-Woche trotz Entwicklungen wie folgenschwerer Dürre und heftiger Waldbrände bislang nicht öffentlich aufgetreten war, hatte zuvor Kritik ausgelöst.
Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Sommerurlaub sagte der Kanzler, ohne die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Land- und Forstwirtschaft wäre der Waldbrand in Hürtgenwald "nicht so glimpflich ausgegangen". Er sei gekommen, um allen Helferinnen und Helfern "wirklich sehr herzlich" zu danken.
Begleitet wurde die kurze Ansprache des Kanzlers von einem Pfeifkonzert. Dazu sagte Merz, er lasse sich "von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken - "ich spreche mit denen, die helfen".
Der Landrat des Kreises Düren, Ralf Nolten (CDU), betonte, er habe den Bundeskanzler gebeten nicht während des Brandes zu kommen, sondern danach. Er zitierte einen Feuerwehrmann: "Ich brauche keine Politiker, sondern ich brauche solche Leute, die den Löschschlauch halten." Die Menschen, "die hier rufen und pfeifen", sollten besser dem THW, der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz beitreten, sagte Nolten weiter. Dafür bekam der Landrat langen Applaus - auch vom Kanzler.
Merz kündigte an, die Regierung werde bei der Kabinettsklausur am Dienstag und Mittwoch in Neuhardenberg darüber reden, wie Deutschland "noch besser" auf Großschadenereignisse wie den schweren Waldbrand vorbereitet werden könne. "Wir werden auswerten, was gut gelaufen ist, aber wir werden auch auswerten, was noch fehlt." Die Kommunikationsverbindungen seien zum Beispiel nicht so gut, wie sie sein müssten.
Denn Deutschland müsse - das sei der "bedauerliche Befund" - damit rechnen, dass die Zahl der Großschadenereignisse zunehmen werde, betonte Merz: "Das ist der Klimawandel." Die Regierung werde "alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen. Aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben." Darauf vorbereitet zu sein, sei eine Aufgabe des Bundes, der Länder und der Gemeinden.
Der Waldbrand war vor gut einer Woche ausgebrochen und hatte die Feuerwehr tagelang in Atem gehalten. Ein Ortsteil der im Kreis Düren gelegenen Gemeinde musste aus Sicherheitsgründen zeitweise evakuiert werden, rund 1800 Menschen waren betroffen. Erst am Freitag wurden die Löscharbeiten abgeschlossen.
Nach seiner Rede in Hürtgenwald trug sich Merz in das Gästebuch des Kreises und der Gemeinde ein. Danach traf der Kanzler Einsatzkräfte zu einem Gespräch, bevor er abreiste.
In den vergangenen Wochen war Merz trotz folgenschwerer Dürre mit Niedrigwasser in wichtigen deutschen Flüssen, Waldbränden sowie einem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig nicht öffentlich aufgetreten. Die in Medien laut gewordene Kritik, Merz mache zu lange Urlaub, wies Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille diese Woche zurück. "Ein Bundeskanzler ist nie im Urlaub", sagte der Sprecher. Merz sei regelmäßig mit Kabinettsmitgliedern zu Regierungsthemen in Kontakt und auch mit Staats- und Regierungschefs anderer Länder. Der Kanzler nehme auch Termine wahr, die aber nicht öffentlich seien.
W.Kraus--VZ