Statue eines nackten Donald Trump sorgt für Aufsehen im EU-Parlament
Der US-Präsident nackt im EU-Parlament: Eine goldfarbene Statue von Donald Trump sorgt im EU-Parlament in Straßburg für Aufsehen. Der Vorsitzende der Linksfraktion im EU-Parlament, Martin Schirdewan, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, er sehe in der Statue eine "treffende Methapher" für das Verhältnis zwischen EU und den USA, könne sich aber "ästhetisch Schöneres vorstellen, als die ganze Woche am nackten Arsch von Donald Trump vorbeizulaufen". Einige Abgeordnete hielt dies aber nicht davon ab, sich kleine Kopien des Kunstwerks ins Büro zu stellen.
Schirdewan argumentierte, die Statue zeige den "Kaiser einmal in seiner ganzen nackten und überproportionierten Gewalt". Der Abgeordnete Lukas Sieper (Partei des Fortschritts) zeigte sich im Onlinedienst Instagram begeistert. "Ich will Euch zeigen, wie großartig diese Statue ist", sagt er in einem Video, das ihn neben dem Kunstwerk zeigt. Er hoffe wirklich, dass auch Trump die Statue sehen werde. Sie illustriere das Verhalten des US-Präsidenten auf internationaler Ebene, ergänzte Siepers Büro. "Wir als EU sollten uns über das illoyale Verhalten von Donald Trump bewusst sein."
Die 2,60 Meter hohe Statue des dänischen Künstlers Jens Galschiöt zeigt einen nackten Trump, der auf den Schultern eines Mannes sitzt, der unter dem Gewicht des US-Präsidenten zusammenzubrechen droht. Trump hält in der einen Hand eine Waage, in der anderen einen Golfschläger. Das "Orange Plague" (Orangene Pest) genannte Werk war bereits am Rande der Weltklimakonferenz in Brasilien sowie bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu sehen gewesen.
Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl sagte AFP, sie fände es "gut und wichtig", dass die Statue im EU-Parlament ausgestellt werde. Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass der Künstler eine weibliche Figur als Trägerin gewählt hätte. Frauen litten schließlich am meisten unter Trumps Politik. Es sei zwar zu erwarten, dass rechten Parteien das Aufstellen der Statue im Parlament kritisieren würden. Es dürfe aber deshalb "keine Schere im Kopf" geben.
Die AfD-Abgeordnete Christine Anderson kommentierte gegenüber AFP: "Über Geschmack lässt sich nicht streiten." Die Anspielung auf das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" habe allerdings eine "unfreiwillige Ironie". Politisch stehe "kaum jemand nackter da als die EU selbst", argumentierte Anderson.
Das Kunstwerk sorgte jedenfalls für "Geflüster" auf den Fluren des Straßburger Parlaments, wie SPD-Politikerin Noichl feststellte. Insbesondere die kleinen Kopien aus dem 3D-Drucker, die der Künstler zum Mitnehmen bereitgestellt hat, finden großen Anklang als Souvenire unter den Abgeordneten.
"Wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen habe ich das kleine Plastikmodell in meinem Büro aufgestellt", sagte der Gründen-Abgeordnete Rasmus Andresen. Er finde die Skulptur "sehr gut", denn: "Die Debatte, wie man mit einer Supermacht umgeht, die andere unter Druck setzt, ist überfällig."
Der nackte Trump ist nur wenige Wochen im EU-Parlament zu sehen. Dem Künstler zufolge soll die Skulptur als nächstes bei der Weltklimakonferenz in der Türkei im November aufgestellt werden.
T.Lorenz--VZ