Trappes-Angriff: Ermittlungen enthüllen jahrelange Vorbereitung und Drohungen
Die Ermittlungen zum rassistischen Anschlag in Trappes werfen ein neues Licht auf die Tat des mutmaßlichen Täters Kevin Tessier. Medienberichte offenbaren, dass er sich seit über einem Jahrzehnt systematisch mit Waffen auseinandersetzte und vor der Tat bereits Gewaltandrohungen aussprach. Nun stehen auch versäumte Kontrollmöglichkeiten im Fokus der Debatte.
Die Ermittlungen zum rassistischen Anschlag in Trappes und La Verrière im Département Yvelines, der am vergangenen 23. Oktober verübt wurde, offenbaren weiterhin das Ausmaß der Planung des mutmaßlichen Täters Kevin Tessier. Der 39-Jährige wird beschuldigt, den 26-jährigen Pengo Bossi Wangi getötet und mehrere weitere Personen verletzt zu haben. Eine Woche nach dem Vorfall liefern neue Erkenntnisse aus der Berichterstattung von Mediapart ein detailliertes Bild des Verhältnisses des Verdächtigen zu Waffen sowie der Drohungen, die er vor der Tat aussprach.
Laut einem am 2. November veröffentlichten Bericht hatte sich Tessier seit etwa zehn Jahren regelmäßig zum Schießen trainiert. Die Redaktion konnte ein Video aus dem Sommer 2015 aufspüren, das auf einem Brachland in Saint-Cyr-l'École, nur wenige Kilometer von Trappes entfernt, aufgenommen wurde. In der Aufnahme ist zu sehen, wie der damals junge Mann mit einer Schrotflinte auf eine Wassermelone schießt, die dabei zerplatzt. Diese Sequenz zeuge von einer bereits fest etablierten Praxis, so die Analyse.
Nach Angaben von Mediapart, die sich auf Zeugenaussagen stützen, war Tessier ein leidenschaftlicher Waffenfanatiker, der seine Trainingsroutine über die Jahre hinweg fortsetzte. Er habe mehreren Bekannten gegenüber erklärt, er könne problemlos Waffenmaterial aus dem Darknet beschaffen. Zudem soll er behauptet haben, eine offizielle Erlaubnis zum Waffenbesitz zu besitzen und sich in einem Schießstand eingeschrieben zu haben. Die bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefundenen Beweise stützen diese Schilderungen.
Olivier Christen, der nationale Ankläger für Terrorismusbekämpfung, teilte mit, dass Tessier bereits im September 2026 mehrere Komponenten erworben habe, um die Effektivität seines Sten-Maschinenpistole zu erhöhen. Bei den Ermittlern tauchten zudem Magazine, amerikanische Griffstücke, ein Bajonett, ein Schalldämpfer und eine Ausgabe von Mein Kampf auf. In seinem Fahrzeug befanden sich außerdem ein Armband mit der Aufschrift "Police" sowie Handschellen.
Die Untersuchung beleuchtet auch die Vorgeschichte des Täters. Bereits 2015 wurde Tessier von einem ehemaligen Bekannten als Bewunderer von Alain Soral und als fasziniert von Amedy Coulibaly beschrieben. Parallel dazu habe er wiederholt Personen, die er seit seiner Kindheit kannte und die zu den Minderheiten gehörten, mit dem Tod bedroht. Drei Tage vor dem Anschlag habe er einen schwarzen Autofahrer auf dem Parkplatz einer Tankstelle in Levallois-Perret schwer angegriffen.
Die Opfer, genannt Ahmed, erzählte TF1, dass er Tränengas erhalten und anschließend geschlagen worden sei. Der Angreifer habe wiederholt gerufen: "Ich werde dich töten, ich werde dich töten!" Mediapart berichtete, Tessier habe zugegeben, den Mann vergast und geschlagen zu haben. Er wurde zwar in freier Vernehmung gehört, erhielt jedoch eine weitere Vorladung, der er nicht nachkam. Dieser Vorfall wirft nun zahlreiche Fragen auf, ob die Gefahr des Täters früher erkannt und verhindert werden konnte.
A.Schuster--VZ