McLaren erprobt beim Saisonfinale bereits Lösungen für 2027
Für McLaren war diese Saison eine Enttäuschung. Lando Norris verlor seinen Fahrertitel an Andrea Kimi Antonelli.
Für McLaren war diese Saison eine Enttäuschung. Lando Norris verlor seinen Fahrertitel an Andrea Kimi Antonelli. Das Team ist raus aus der Verlosung um die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Mercedes und Ferrari kämpfen uneinholbar um den Marken-Pokal. So bleibt McLaren nur noch ein Ziel in diesem Jahr. Die Papaya-Truppe will sich wenigstens den dritten Platz in der Konstrukteurs-WM holen. Den hält zurzeit Red Bull mit 17 Punkten Vorsprung. Außerdem wäre ein dritter Saisonsieg nicht schlecht für die Moral der Mannschaft.
Deshalb haben die Ingenieure in Woking noch einmal die Entwicklungsmaschine angeworfen. Während alle anderen Teams in Brasilien mit identischen Autos antreten wie in Mexiko, kreuzt McLaren in Interlagos mit einem neuen Frontflügel, einem modifizierten Heckflügel und einem Unterboden, der im vorderen Bereich verändert wurde. Damit nicht genug: In Las Vegas schiebt das Technik-Team um Rob Marshall und Peter Prodromou noch einmal einen völlig neu gestalteten Unterboden nach. Der Frontflügel folgt im Gegensatz zu seinen Vorgängern einer anderen Philosophie. Die Nase dockt jetzt nicht mehr am ersten, sondern am zweiten Element an. Das soll den vorhandenen Abtrieb stabilisieren, indem er die Strömung zum Rest des Autos in neue Bahnen lenkt. Anpressdruck hat der McLaren MCL40 genug, vielleicht sogar mehr als die Autos der Konkurrenz. Doch der Abtrieb ist nur in einem ganz schmalen Fenster verfügbar.
Deshalb klagen die Fahrer, dass ihr Papaya-Renner schwer zu fahren ist. "Wenn du 98 Prozent ans Limit gehst, bist du zu langsam. Bei über 100 Prozent auch. Triffst du die 100 Prozent, ist unser McLaren ein Siegerauto. Es ist nur unheimlich schwierig, dieses Limit konstant abzurufen", erklärt Oscar Piastri. Lando Norris bestätigt: "Dieses Auto kannst du nicht überfahren. Dann beißt es zurück. " , Ein Test unter RealbedingungenBeide Fahrer bestätigen, dass der aktuelle McLaren ein unheimliches Potenzial hat.
Es ist nur zu schwierig, dieses Fenster zu treffen. Weil die vier Topteams so eng zusammenliegen, wird aus einer ersten Startreihe schnell mal eine vierte, wenn nur ein Parameter nicht passt. "Wir reden hier nicht um große Abstände, sondern um zwei Zehntel", relativiert Norris das Kräfteverhältnis im Oberhaus der Formel 1. Der entthronte Weltmeister lobt trotzdem sein Team: "Es wäre falsch von einem Scheitern zu sprechen. Du kannst nicht erwarten, dass du als Weltmeister bei einer so großen Regeländerung automatisch gleich wieder ein Siegerauto auf die Räder stellst. Wir hatten zu Saisonbeginn eine Sekunde Rückstand. Jetzt sind wir bei der Musik. Das allein ist eine große Leistung.
"McLaren bringt ganz bewusst zum Saisonende neue Teile. Windkanal und Simulator können die Realität nicht 1:1 ersetzen. Auch andere Teams haben es in den letzten Jahren erlebt, dass ein Upgrade in der virtuellen Welt großen Fortschritt verspricht, dass der auf der Rennstrecke aber nicht im gleichen Maß ankommt. Selbst wenn die Sensoren den Gewinn an Abtrieb bestätigen, muss das noch lange nicht heißen, dass der Fahrer das in Rundenzeit umsetzen kann. Wenn der Abtrieb schwankt, geht Vertrauen verloren. Dieser Prozess lässt sich in keinem Simulator nachstellen. Deshalb testet McLaren seine Neuentwicklung auf der Rennstrecke. Der neue Frontflügel und der Unterboden, der in Las Vegas debütiert, sind auch schon ein Vorgriff auf 2027.
Wenn sie funktionieren, wird der MCL41 auf dieser Basis entstehen. Ein bisschen 2027er McLaren steckt also möglicherweise in dem Upgrade. ,
F.G.Fischer--VZ