Sorge um berufliche Zukunft lässt Interesse an Firmengründungen steigen
Das Interesse an der Gründung eines eigenen Unternehmens ist laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) zuletzt gestiegen - getrieben allerdings auch von der Sorge vieler Menschen um ihre berufliche Zukunft. "Fast vier von zehn Interessierten wollen in erster Linie gründen, weil sie angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Transformation in vielen Branchen um ihren Arbeitsplatz fürchten", erklärte DIHK-Präsident Peter Adrian.
Laut dem von der DIHK am Mittwoch veröffentlichten Gründungsreport verzeichneten die Industrie- und Handelskammern (IHKs) im vergangenen Jahr bundesweit mehr Menschen als im Vorjahr, die sich zu einer Gründung informieren und beraten ließen. Nach rund 151.000 im Jahr 2024 waren es 2025 mit gut 171.000 über 20.000 mehr.
Zugleich hob die DIHK hervor, dass der Anteil derjenigen, die sich bei den Industrie- und Handelskammern "vornehmlich aus Mangel an Erwerbsalternativen" zu einer Gründung beraten ließen, mit 36 Prozent den höchsten Wert seit elf Jahren erreichte. "Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit, unsicherer Beschäftigungsperspektiven und zunehmender Insolvenzen gewinnt die Selbstständigkeit für viele die Funktion einer Ausweich- und Sicherungsstrategie", heißt es im Report. Dieser zeige "zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch", resümierte Adrian.
Der DIHK zufolge zeigt sich über die Jahre ein Muster, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Deutschland häufiger gegründet wird, "während in guten Zeiten mehr Menschen eine abhängige Beschäftigung bevorzugen". Insbesondere in den stärker industriegeprägten Regionen beobachteten die IHKs demnach "vermehrt Gründungen infolge aktueller Transformationsprozesse". Beschäftigte wechselten "aus industriellen Wertschöpfungsketten in häufig kleinteilige Dienstleistungsangebote".
Zugleich gibt es dem laut dem Report, der auf den Erfahrungen von rund 350 IHK-Existenzgründungsberaterinnen und -beratern sowie einer Auswertung zum IHK-Gründungsservice basiert, auch viele Gründerinnen und Gründer, die gezielt neue Marktchancen nutzen wollen - etwa im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) oder bei sicherheitsrelevanten Technologien.
"KI erleichtert vielen nicht nur den Weg in die Selbstständigkeit, sondern eröffnet auch völlig neue Geschäftsmodelle", erklärte Adrian. "Das gilt beispielsweise für Robotik, Kommunikation und Raumfahrt." Deutschland habe damit auch die Chance, "eine neue Generation technologieorientierter Unternehmen hervorzubringen, deren Know-how unserer Wirtschaft in vielen Bereichen einen Innovationsschub geben kann".
Damit dies gelingt, sind nach DIHK-Angaben allerdings "deutlich bessere Rahmenbedingungen" nötig. Startups müssten einfacher gegründet werden können und bessere Bedingungen für Wachstum erhalten. Zugleich dürfe dies "nicht nur dem Tech-Bereich zugutekommen", mahnte die DIHK. Auch Handel, Dienstleistungen und Gastgewerbe bräuchten "spürbare Erleichterungen" - denn gerade sie prägten "die wirtschaftliche Vielfalt in Deutschland".
Positiv hervor hob die DIHK das steigende Gründungsinteresse von Frauen. Mittlerweile kommen mit einem Anteil von 44 Prozent demnach fast ebenso viele Frauen wie Männer zur Gründungsberatung in die IHKs. In den frühen 2000er-Jahren lag der Anteil dem Report zufolge noch bei rund einem Drittel. Der langfristige Anstieg zeige, "dass Unternehmertum für Frauen heute deutlich selbstverständlicher geworden ist als noch vor zwei Jahrzehnten", erklärte die DIHK.
P.Schulz--VZ